Kommende Konzerte

Wahnsinn


30.07.2022, 19:00 Uhr - Kunstkraftwerk Leipzig

31.07.2022, 18:00 Uhr - Theaterruine St. Pauli, Dresden


Auszüge aus:

Jean-Philippe Rameau - Platée

Marc-Antoine Charpentier - Le malade Imaginaire

Henry Purcell - Dido and Aeneas

sowie Werke von Heinrich Ignaz Franz Biber, Jean-Féry Rebel, Jaakko Mäntyjärvi und Georg Friedrich Händel


Pandemiebedingt müssen diese Konzerte leider ausfallen. Ersatztermine für 2023 folgen in Kürze.

Wahnsinn – ein eher ungewöhnliches Motto für ein ganzes Konzertprogramm. Dabei sind viele Meisterwerke der Barockzeit gespickt mit „wahnsinnigen“ Elementen. In spukhafter Gestalt geistern sie durch krankhafte Halluzinationen, brechen in gellendem Geschrei von Hexen aus oder lassen betrogene Liebende sich wahrhaftig zu Tode singen. Sogar als Personifikation tritt der Wahnsinn auf der Bühne auf, so wie in Rameaus Ballet comique Platée, und raubt allen Anwesenden nicht im postitiven, aber amüsantesten Sinn, den Verstand.
Dabei birgt der „Wahnsinn“ stets das Potential delikater Komik bis hin zu grotesker Verzerrung, kann ebenso mitleiderregend wie abstoßend sein. Wenn zum Beispiel in Bibers Battalia die „liederliche Gesellschaft“ heiter angetrunkener Soldaten 9 verschiedene Lieder in verschiedenen Tonarten gleichzeitig anstimmt, mag es dem ein oder andern damaligen Zuhörer wahrscheinlich die Zehennägel hochgebogen haben, oder er hatte beim Genuss dieser Musik ebenso viel getrunken und konnte sich lebhaft in dieses Chaos hineinversetzen. Das Chaos machte sich auch Jean-Féry Rebel zu nutze und komponierte im ersten Satz seiner Suite Les elements ein tollkühnes Disharmonium voller Cluster und bisweilen avantgardistischer Klangverbindungen. Erleben Sie einen verrückten, witzigen und ebenso anrührenden Querschnitt durch Oper, Konzert und Ballettmusik.

Dixit Dominus


07.10.2022, 19:30 Uhr - Großer Saal Hmt Leipzig

08.10.2022, 19:00 Uhr - Annenkirche Dresden


Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville - Dominus regnavit

Georg Friedrich Händel - Dixit Dominus

Jean-Baptiste Lully - Te Deum


Karten unter tickets@ensemble-lachrymae.de 

oder an der Abendkasse

Leipzig - Eintritt frei

Dresden - Normalpreis 15€  Ermäßigt 10€ (Studierende, Kinder, Schwerbehinderte) 

Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville - man könnte meinen, es läge schon an seinem vertrackten Namen - ist heute selbst in Frankreich nur noch den Wenigsten bekannt. Zwischen dem immer noch deutlich spürbaren Einfluss des Altmeisters Lully, der allerdings schon aus der Mode kam, und dem schlankeren, galanten Stil seines berühmten Zeitgenossen Rameau formte Mondonville seine eigene Handschrift, in die er auch Merkmale des musikalisch eigentlich "verfeindeten" Italiens einfließen lässt. Mit dieser spannenden Klangsprache schuf er im Besonderen zahlreiche Grands Motets in der Tradition des 17. Jahrhunderts, die er in die Form einer mehrsätzigen Kantate transformierte. Eine ebensolche Motette ist Dominus regnavit von 1734. Ein kompaktes Werk für fünf Solostimmen, Chor und Orchester, welches beachtlicherweise nicht für den liturgischen Gebrauch, sondern für ein Konzert geschaffen wurde und dessen Klangwogen ebenso Meeresfluten heraufbeschwören können, wie sie in zarten Tönen Gottes Herrlichkeit preisen, dabei stets im Dienste einer möglichst bildlichen Vertonung des Textes des 93. Psalms. 

Ähnlich plastisch, doch voll italienischen Temperaments und heißblütiger Dramatik packt Händel den Text des Dixit Dominus an, ebenfalls eine Psalmvertonung, die er zu Beginn seiner Italienreise 1707 komponierte und als eindrucksvolle Visitenkarte in Rom präsentierte. Hier zeigt sich bereits die Meisterschaft des erst 22-jährigen, der bald zum Superstar avancierte. Das Werk wird entscheidend vom virtuosen, fünfstimmigen Chor dominiert und zeichnet in seinen zehn Sätzen kontrastreiche Bilder zwischen biblischer Archaik und sprühender Energie, loderndem Feuer und stiller Meditation.

Glanzvoller Abschluss des Konzertes ist schließlich das Te Deum von Lully, in welchem mit Pauken und Trompeten die Macht Gottes ebenso verherrlicht wird, wie der Ruhm des Sonnenkönigs, unter dessen Regentschaft einige der prächtigsten Werke der Barockzeit entstanden, die in dieser Motette einen ihrer Höhepunkte finden.